HSU I (Grundschule)

 

Ich packe in meine Kiste und nehme mit …
Individuelle Raumwahrnehmungen und -nutzungen zulassen, präsentieren und reflektieren

C. Günther, A. Jahreiß

 

Themenwahl

In einem bekannten Kinderspiel werden abwechselnd, nacheinander Reiseutensilien in einen imaginären Koffer gepackt. Diese wichtigen Gegenstände sollen mit zunehmender Zahl allen Mitspielerinnen und Mitspielern im Gedächtnis bleiben. Im Unterrichtsbeispiel „Individuelle Raumwahrnehmungen und -nutzungen zulassen, präsentieren und reflektieren“ sind es persönliche und mit dem Wohnort in Verbindung gebrachte Sachen, die in eine Kiste gepackt werden. Beim Betrachten und Vergleichen der ausgewählten Objekte wächst – am Beispiel „Schulort“ bzw. „Stadtviertel“ oder „Dorf“ – die Erkenntnis, dass dieselben Raumausschnitte von Personen aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse und Interessen verschieden wahrgenommen werden. Es wird deutlich, dass die natürliche bzw. kulturelle Ausstattung von Räumen persönlich anders genutzt wird, für jeden einzelnen eine besondere Bedeutung hat und deshalb von allen, oft individuell, sorgfältig „gepflegt“ werden muss. Diese differenzierten Sicht- und Handlungsweisen stehen gleichberechtigt nebeneinander, unabhängig vom jeweiligen Geschlecht.

 

Kinder im Grundschulalter sammeln und zeigen begeistert für sie bedeutsame Gegenstände aus ihrem kindlichen Erfahrungsraum. Den natürlichen Forscher- und Entdeckerdrang nutzend, eröffnen sich mit der Methode des Kistenpackens und Präsentierens der Inhalte sowohl Möglichkeiten der fachlichen Thematisierung unterschiedlicher Raumwahrnehmungen und -nutzungen als auch gendersensible Akzentuierungen des Lehrens und Lernens.

 

Kompetenzerwartungen

Für die Jahrgangsstufe 1/2 weist der LehrplanPlus Heimat- und Sachunterricht (Stand: Januar 2014) folgende Kompetenzerwartungen aus:

 

Lernbereich 5 „Raum und Mobilität – 5.1 Räume wahrnehmen und sich orientieren“

„Schülerinnen und Schüler …

  • beschreiben, was ihnen in Räumen auffällt, wie sie ihre Umwelt empfinden und was ihnen bedeutsam ist
    • vergleichen verschiedene räumliche Situationen (z.B. nah oder fern, ländlich oder städtisch)
    • lesen einfache Pläne (z.B. Skizzen und Grundrisse) von vertrauten Räumen sinnerfassend und nutzen Raum-Lage-Begriffe, um Wege und Objekte darauf zu beschreiben.“

 

Lernbereich 5 „Raum und Mobilität – 5.2 Räume nutzen und schützen“

„Schülerinnen und Schüler …

  • beschreiben die Nutzung, Gestaltung, Veränderung und ggf. Gefährdung eines vertrauten Raums durch Menschen
  • beschreiben Möglichkeiten und Grundsätze des achtsamen Umgangs mit Räumen (z. B. in der vertrauten Umgebung) und beachten sie in ihrem eigenen Handeln.“

Lernbereich 1 „Demokratie und Gesellschaft – 1.1 Zusammenleben in Familie, Schule und Gemeinschaft“

„Schülerinnen und Schüler …

  • benennen eigene Interessen und Bedürfnisse sowie die anderer Personen und berücksichtigen diese beim Zusammenleben in der Klasse.“

 

Ablauf der Unterrichtsreihe

Der Ablauf der Unterrichtsreihe ist hier nur knapp skizziert. Die benötigte Unterrichtszeit ist abhängig von der Lern- und Leistungsbereitschaft der Kinder.

Unterrichtsablauf und Unterrichtsmaterialien als pdf

 

 Möglichkeiten der Weiterführung und Progression

Die Unterrichtsreihe kann durch modifizierte Kistenpackaufträge auf andere Räume und Regionen erweitert werden. In Anlehnung an den LehrplanPlus Heimat- und Sachunterricht ist in Jahrgangsstufe 1/2 beispielsweise der Vergleich von ländlichen oder städtischen Räumen möglich, in Jahrgangsstufe 3/4 der Vergleich der persönlichen Lebenssituation mit der von Menschen in anderen Räumen und Regionen der Welt. In Jahrgangsstufe 1/2 werden dabei Kartenskizzen und Grundrissen eingesetzt, in Jahrgangsstufe 3/4 wird dann auf Karten unterschiedlichen Maßstabs zurückgegriffen.

Während die Kinder in Jahrgangsstufe 1/2 schwerpunktmäßig über eigene Bedürfnisse, Interessen sowie Vorstellungen reflektieren und deren Vielfalt schätzen lernen, hinterfragen sie in Jahrgangsstufe 3/4 Rollenklischees für Mädchen und Jungen, sie entwickeln und diskutieren Gestaltungs- bzw. Handlungsmöglichkeiten.

 

Literatur
Wardenga, U. (2006): Raum- und Kulturbegriffe in der Geographie. In: Dickel, M. & D. Kanwischer (Hrsg.) (2006): TatOrte. Neue Raumkonzepte didaktisch inszeniert. Berlin.

 

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