Anliegen und Ziele

A. Hereth, J. Schlagbauer, S. Seiler

Geschlechtergruppen – (nur) sprachlich eine klare Sache

Sie oder er, Mann oder Frau, Mädchen oder Junge, Sprachen ordnen jedes Individuum eindeutig einer Geschlechtergruppe zu. Trotzdem gibt es nicht die Jungen und nicht die Mädchen, nicht die Frauen und die Männer, also auch nicht die Schülerinnen und die Schüler und nicht die Lehrer und die Lehrerinnen. Auch in diesem Portal ist es unumgänglich, mit diesen Begriffen Individuen unterschiedlichster Prägung unter dem scheinbar jeweils allen gemeinsamen Geschlechtsmerkmal „weiblich“ bzw. „männlich“ zusammenzufassen. 

Während sprachlich das Geschlechtsmerkmal „männlich“ bzw. „weiblich“ die Angehörigen der jeweiligen Gruppe untereinander verbindet und zugleich von den Angehörigen der anderen Gruppe abgrenzt, sind die Unterschiede innerhalb einer Geschlechtergruppe bezogen auf bestimmte Merkmale meistens größer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen.      

 

Geschlecht und Gender – eine komplexe und emotional hoch besetzte Thematik

Eine rein sachlich-intellektuelle Auseinandersetzung mit der Genderthematik wird häufig durch den Umstand erschwert, dass „ich“ davon betroffen bin – und das auf verschiedenen Ebenen: biologisch, gesellschaftlich, privat, beruflich usw. „Meine“ Einstellung zu diesem Thema beeinflusst stark die Art und Weise der Auseinandersetzung mit der Genderthematik. Dabei reicht die Skala von mehr oder weniger heftiger Abwehr bis zu sehnsüchtigem, mit hohen Erwartungen verknüpftem Aufgreifen der Thematik: Traditionelle Rollenbilder werden mehr oder weniger heftig verteidigt, wenn sie genau zu den eigenen Wertvorstellungen und zum persönlichen Lebensentwurf passen. Überdruss kann das Thema hervorrufen, weil es privat und/oder beruflich bereits häufig ergebnislos diskutiert wurde. Sehnsüchte können geweckt werden, wenn eine große Unzufriedenheit mit der eigenen Geschlechterrolle im Alltag besteht oder geschlechterstereotype Rollenerwartungen im Extremfall einen hohen Leidensdruck erzeugen.

  

Gendersensibler Unterricht – eine Frage der Haltung, nicht der Methoden

Unterricht ist immer Interaktion zwischen Individuen in einer Situation, die sich allein durch die Interaktion bereits verändert. Eine Unterrichtssituation ist deshalb nicht wiederholbar. Situationen können sich ähneln, sie sind jedoch niemals identisch. Deshalb kann es keine Rezepte geben, nach denen unabhängig von den beteiligten Individuen in unterschiedlichen Situationen guter – das heißt auch gendersensibler - Unterricht produziert werden kann. Folglich werden auch in diesem Portal einfach abzuarbeitende Checklisten, Handlungsanweisungen und Verhaltensmuster für geschlechtergerechten Unterricht nicht zu finden sein. Zentral ist stattdessen die Fähigkeit der Lehrkraft zu den Lernenden eine Beziehung herzustellen, die gendersensibel dem einzelnen Lernenden gerecht wird.

 

Individuelle Förderung braucht genderkompetente Lehrende

Geschlechterstereotype sind „starre, normative und vereinfachte Erwartungen und Vorstellungen über Eigenschaften, Zuständigkeiten oder Vorlieben von Frauen und Männern“. Sie beeinflussen - bemerkt und unbemerkt - von frühester Kindheit an ständig das alltägliche Leben und wirken sich auch auf Einstellungen und Handlungen der Lehrenden und Lernenden aus. Einerseits geben stereotype Vorstellungen Sicherheit, andererseits schränken sie Entwicklungsmöglichkeiten ein. Individuelle Förderung hat jedoch die bestmögliche Entfaltung der je eigenen Stärken der Lernenden zum Ziel, jenseits starrer Rollenerwartungen. Gendersensible Lehrkräfte achten darauf, keine stereotypen Rollenerwartungen weiterzugeben, und eröffnen damit den Lernenden eine größere Bandbreite an Denk- und Verhaltensmöglichkeiten. 

 

 

Literatur

 Grünewald-Huber, E.; von Gunten, A.: Werkmappe Genderkompetenz. Zürich 2009, S. 194)

Bildquellen

Filmplakat "Tomboy" https://www.flickr.com/photos/wolfgangkuhnle/7509977506/sizes/n/in/photostream/

Model Andrea Pejic: https://www.flickr.com/photos/nielleborges/6196147025/sizes/m/in/photostream/

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