Diskurspositionen

 A. Sälzer

Im Gender-Diskurs lassen sich fünf theoretische Positionen nachzeichnen, die sich im historischen Verlauf herausgebildet haben. Diese sollten Sie kennen, bevor Sie sich mit dem Thema weiter beschäftigen.

Die fünf Diskurspositionen schließen sich gegenseitig nicht aus und spiegeln den jeweiligen Wissensstand bzw. die vorherrschenden Überzeugungen einer Epoche wider, sind allerdings alle aktuell relevant.

  

Defizittheorie:

Diese beschreibt die Überzeugung, dass der Mann als Norm angesehen wird (Androzentrismus) und die Frau als mangelhafte Abweichung. Dies beinhaltete die Auffassung, dass Männer höherrangig und Frauen nachrangig seien. Die Geschlechter gelten als grundlegend verschieden mit komplementärer Ausrichtung  im Sinne einer Polarität (z. B. stark-schwach; rational – emotional).

 

Gleichheitstheorie:

In ihr kommt zum Ausdruck, dass Männer und Frauen weitgehend gleich sind (außer in ihrer Funktion bei Zeugung, Schwangerschaft und Geburt). Es werden gleiche politische Rechte und Teilhabe an Ressourcen (z. B. Bildung) gefordert. Obwohl diese Position in den 1980-gern von der Differenztheorie abgelöst wurde, hat sie bis heute Gültigkeit, da die Forderung nach Gleichwertigkeit (Gleichstellung) noch nicht erreicht ist.

 

Differenztheorie:

Zwischen den Geschlechtern bestehen beträchtliche Unterschiede , die nicht nur biologisch, sondern auch historisch und sozialisatorisch begründet sind: Männer und Frauen machen unterschiedliche historische und biographische Erfahrungen und bilden demnach unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche heraus. Die Differenztheorie fordert, diese entsprechend ohne Bewertung zu berücksichtigen: Männer und Frauen sind gleichwertig, aber nicht gleichartig.

 

Konstruktivistischer Ansatz (Doing gender):

In ihm geht es nicht mehr um die Frage nach Gleichheit oder Differenz von Männern und Frauen. Nun stehen die Prozesse des Differenzierens und Nichtdifferenzierens im Vordergrund und das bewusste Wahrnehmen derselben. Im Mittelpunkt des Interesses steht, welche Unterschiede hervorgehoben und welche Bedeutungen ihnen zugesprochen werden. Die permanente soziale und kulturelle Herstellung von Geschlecht wird als „Doing gender“ bezeichnet. Dies bedeutet auch: Geschlechterverhältnisse sind veränderbar.

 

Dekonstruktivistischer Ansatz:

Dieser meint Bestrebungen, „Doing gender“-Prozesse und dahinterstehende Machtansprüche zu erkennen und zu durchbrechen (zu dekonstruieren). So soll die binäre und hierarchische Grundstruktur von Geschlechtlichkeit außer Kraft gesetzt werden. Aus diesem Ansatz resultiert die Utopie einer Gesellschaft, in der das Geschlecht als soziale Kategorie bedeutungslos ist.

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