Unterrichtsgestaltung Englisch

 
Englisch

W.  Kieweg

 

  • Ausgehend von der beobachtbaren Tatsache, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Lernstrategien einsetzen und divergierende Interessen und Vorlieben zeigen, ist es das Ziel, eine Lernumgebung zu schaffen, die dem gerecht wird. Dazu gehört zum einen, das Entstehen stereotypen Rollenverhaltens nach Möglichkeit zu vermeiden, zum anderen aber auch Lernangebote so zu gestalten, dass sie den geschlechtsspezifisch verschiedenen Interessen, Themen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen möglichst gerecht werden (vgl. das Textangebot in den Lehrwerken).
  • Das strategische Vorgehen bei der Bearbeitung einer Aufgabe entspricht eher der generellen Vorgehensweise der Jungen, Probleme zu lösen. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, die unterrichtsrelevanten Strategien beim Erlernen einer Fremdsprache zu entwickeln: Erwerbsstrategien, Lernstrategien und Kommunikationsstrategien. Allgemein besteht an allen Schulkategorien ein erhebliches Defizit an strategischer Unterweisung, das zeitnah abgebaut werden sollte. Die strategische Kompetenz ist Teil der kommunikativen Kompetenz und darf keinesfalls vernachlässigt werden.
  • Das generische Lernen gehört ebenfalls zu den favorisierten Konzepten, die bei den Jungen häufiger als bei Mädchen zu beobachten sind. Das Erkennen der Merkmale einer Textsorte (sprachlich und strukturell), die klaren Stationen bei der Erstellung von eigenen Texten (wie verfasst man ein Bewerbungsschreiben?), die Einsicht in den Verlauf eines Dialogs (z.B. ein Streitgespräch mit abschließender Versöhnung) gehören zum festen Angebot an einschlägigen Verstehenshilfen, die bei Jungen gut ankommen. 
  • Der quantitativ höhere Medienkonsum bei Jungen verhindert die nächtliche Verarbeitung des am Vormittag Gelernten und stört dessen „Überführung“ ins Langzeitgedächtnis (Spitzer 2004, 2012; Pfeiffer 2007). Der Medienkonsum korreliert deutlich mit den Schulleistungen.
  • Jungen zeigen im Fachenglisch besondere Stärken. Es kann durchaus vermutet werden, dass der bilinguale Unterricht eher den Jungen in ihrer Sprachkompetenzentwicklung entgegen kommt. 
  • Die Unterschiede zwischen Jungen mit und ohne Migrationshintergrund sind gering. In einigen Untersuchungen wurde ein leichter Vorteil der Jungen mit Migrationshintergrund festgestellt. 
  • Während am Ende der Grundschule die Leistungen der Jungen und Mädchen im Fach Englisch als (fast) gleich bewertet werden, gibt es einen signifikanten Rückstand der Jungen in der Jahrgangsstufe 9. Vor allem in der schriftlichen Sprachkompetenz zeigt sich dies sehr deutlich. Im mündlichen Bereich zeigen Jungen im Durchschnitt nur beim Wortschatz deutliche Defizite. Ihre Aussprache und die Flüssigkeit des Sprechens (speech fluency) hingegen sind durchwegs mit den Leistungen der Mädchen vergleichbar.
  • Es kann also nicht von einem generellen Defizit der Jungen ausgegangen werden, obwohl über längere Zeit des schulischen Spracherwerbs das Interesse für Englisch auf Seiten der Jungen geringer ist als bei den Mädchen. Möglicherweise hängt das geringere Interesse auch damit zusammen, dass Englisch (und allgemein die Fremdsprachen) als Mädchendomäne gilt.
  • Nach dem Übergang in die Sekundarstufe II verringern die Jungen die Unterschiede zu den Mädchen. 
  • Mädchen verfügen über eine bessere Selbststeuerung und höhere Selbstdisziplin (Vorteile im offenen Unterricht, selbstgesteuertes Lernen), und erbringen deshalb auch bessere Noten. Sie investieren mehr Zeit in das Lernen, in die Anfertigung der Hausaufgaben und zeigen mehr Sprachgewandtheit (mündliche Mitarbeit im Unterricht“). Mädchen sind besser „beschulbar“ (gutes Verhalten) und verhalten sich erheblich „schulschlauer“.
  • Die Beurteilung der Leistungen ist für die Mädchen wichtig. Stärker wohlwollende Beurteilungen durch die Lehrkräfte/Notengebung. Mädchenbonus in den MINT Fächern.
  • Jungen überschätzen sich oftmals, unbescheidene Selbstwertung. 12jährige Jungen sind in der Sprachgewandtheit um 1,5 Jahre hinter den Mädchen (L1/Muttersprache). Jungen haben geringere Bildungsaspirationen als Mädchen und widmen sich weniger den musischen Aktivitäten. Sie sind weniger gut „beschulbar“ (entsprechen nicht den Erwartungen der Organisation Schule und des Personals), zeigen eine schlechtere Unterrichtshaltung, bekommen signifikant schlechtere Noten, aber erbringen nicht signifikant geringere Leistungen (Blossfeld, 2009). Das stärker selbstgesteuerte Lernen ist für Jungen zum Nachteil. 
  • Für Jungen ist der Frontalunterricht bedeutungsvoller. Sie empfinden den individuumszentrierten Unterricht als lästig. Sozialverhaltens als Schlüsselkompetenz?
  • Mädchen haben bessere Schulnoten (aber nicht bei standardisierten Leistungstests, sondern durch konstruierte Überprüfungsmodi der Lehrkraft – keine Entsprechung in den standardisierten Leistungstexts).

 

 

Literatur

Hattie, J. (2013) Lernen sichtbar machen. Überarbeitete dtsprach. Ausgabe von Visible Learning besorgt von Beywl W., Zierer, K. Baltmannsweiler.